Mündener Allgemeine vom 7.05.2021, Seite 4

 

Viele Werke wurden zerstört

 

Eberlein arbeitete im Jahre 1904 das Werk „Gottvater haucht Adam den Odem ein“ als über drei Meter hohe, überlebensgroße Variante in seinem Atelier in Rom aus. Dafür verwendete er den besten Marmor, der bis heute in den Steinbrüchen von Carrara in der Toskana abgebaut wird.

Die erste große Reise machte die Plastik von Rom aus in das Eberleinsche Atelier am Lützowufer in Berlin. In diesem Schauatelier waren zeitweise noch deutlich größere Werke ausgestellt. Die Vergänglichkeit künstlerischen Ruhms erfuhr Eberlein in Etappen mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der umfassenden künstlerischen Neuorientierung in den Weimarer Jahren. So sind die Verkaufsangebote vor allem als Hilferuf eines in Not geratenen Künstlers zu sehen, der seiner Heimatstadt die „Seele seiner Werke“ geschenkt hatte.

Im Jahre 1898 war er der Mitbegründer des „Alterthümer- und Eberleinmuseums“ im Schloss. Eberlein war unlängst zu einer der Hauptgestalten der deutschen Bildhauerei gewachsen. Einen bedeutsamen Teil seiner Gipsentwürfe stiftete er dem Museum. Dabei war das Gipsoriginal der Gottvater-Adam-Gruppe, die lebensgroß 1897 gestaltet wurde. Das Schicksal vieler anderer Originale teilt auch diese Plastik, sie wurden zerschlagen und entsorgt.

Umso wirkungsmächtiger kündet sie am Schlesierplatz fast ein Jahrhundert nach ihrer Aufstellung von höchster Schaffenskunst und vom Kunstsinn zweier Fabrikanten, die dieses Werk für die Stadt und damit für uns sicherten.

 

 

Ein Gigant geht auf Reisen

 

MÜNDENER - ANSICHTEN - Marmorskulptur kam nach Münden

 

Eine Ansichtskarte von etwa 1930 zeigt die Villa, üppige Parkbäume und als Mittelpunkt Eberleins Großplastik. repro: stefan schäfer/Stadtarchiv

 

Hann. Münden – 1927 entspann sich eine interessante kulturpolitische Debatte in Münden. Gustav Eberlein hatte die Stadt, deren Ehrenbürger er geworden war, 1925 um den Ankauf einiger Kunstwerke gebeten. Die Stadt lehnte dies vor dem Hintergrund fehlender finanzieller Mittel ab. 1926 war Eberlein in Berlin verstorben. Nun war es ein Jahr später Emma Bernardi, Eberleins Adoptivtochter und Erbin, die die Stadt erneut um den Ankauf einiger Werke bat.

Sie lebte zu dem Zeitpunkt noch in Berlin, war mit der Auflösung des Nachlasses im Berliner Atelier befasst. Längst plante sie ihre Übersiedlung nach Hann. Münden, um die „Eberburg“, das vormalige Sommeratelier Eberleins, zu einer Kaffee-Schankwirtschaft auf einem der „schönsten Balkone“ über Münden umzugestalten.

Eine städtische Delegation reiste nach Berlin. Sie kamen mit dem Angebot zurück, die Monumentalplastik „Gottvater haucht Adam den Odem ein“ für insgesamt 6 500 Mark zu kaufen. Davon entfielen allein 2 200 Mark auf die Transportkosten. Hinzu addierte man noch 700 Mark für das Fundament und die Platzgestaltung. Schnell fand man einen Idealstandort, den Hindenburgplatz, heute Schlesierplatz auf dem Gelände des Düringschen Garten.

Wilhelm von Düring war Landrat des Kreises Münden und bis 1907 Eigentümer der Villa Baurmeister, die anschließend von der Stadt erworben wurde. Das Gelände sollte nun zu einer öffentlichen Grünanlage umgestaltet werden.

Der Magistrat, das engere Führungsgremium um Bürgermeister Dr. Haarmann, sprach sich für den Ankauf aus. Im Bürgervorsteherkollegium, vergleichbar dem heutigen Rat, fand der Ankauf auch in der zweiten Beratung am 28. Juni 1927 keine Mehrheit. Mit den Stimmen der Mittelstandsfraktion und der Rechten wurde der Ankauf mit elf zu sieben Stimmen abgelehnt. Eine rege, teils aggressive Grundstimmung war in der Auseinandersetzung zu betrachten. Vor allem die SPD-Befürworter wunderten sich, dass die einst kaiser- und heimatreuen Bürgervorsteher den Ankauf ablehnten.

Binnen weniger Tage wendete sich das Blatt, die Gebrüder Carl und Heinrich Fischer, Fabrikanten der Kautabakfabrik Fischer & Herwig waren bereit, die Marmorskulptur der Stadt zu stiften. In der Sitzung am 2. Juli 1927 nahm die Stadt die Stiftung mit einer Gegenstimme an. Sie stammte vom Kommunisten Wilhelm Schumann, der in dem Werk einen gewissen religiösen Fanatismus erkannte.

Wie schnell es weitergehen konnte, bestätigt eine Zeitungsmitteilung im Mündener Tageblatt vom 27. Juli 1927: „Vorige Woche wurde der Koloss auf den Sockel an seinem jetzigen Standort gehievt!“

Er wird wahrscheinlich auf einem Flachwagen der Eisenbahn, in einer Transportkiste liegend den Mündener Bahnhof erreicht haben, in dessen Nähe er noch heute zu sehen ist.

 

Mündener Allgemeine vom 5.03.2021, Seite 3

 

Elend statt Glanz

 

MÜNDENER ANSICHTEN - Kriegsmythen im deutschen Kaiserreich

 

Mundenia auf einer Lithographie von Robert Geissler. Stadtchronist Wilhelm Lotze bezifferte die Aufwendungen mit 1393 Taler von denen 1226 Taler gespendet wurden.

repro: stefan schäfer/Stadtarchiv Hann. Münden

 

Hann. Münden – Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg und am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Reich gegründet. An der Spitze stand mit Kaiser Wilhelm I der preußische König. Der Bund deutscher Fürsten führte in Frankreich zur Gründung des zweiten Deutschen Kaiserreichs. Kein durch die 1848er Revolution geschaffener Nationalstaat, sondern in Einigungskriegen der Jahre 1864 bis 1871 „durch Blut und Eisen zusammengeschmiedetes Staatsgebilde“ unter der Vorherrschaft Preußens. Folge zahlreicher Schachzüge des späteren Reichkanzlers Bismarck, der die Politik des Landes bis zum Jahre 1890 maßgeblich prägen sollte.

Die Bedrohung durch den Erzfeind Frankreich und der schnelle Sieg, die deutsche Einigung, das alles wurde zu einem Erzählstoff, einem nationalen Mythos, der in jede Stadt, jedes Dorf getragen und in jedem Schulbuch eindrucksvoll zu lesen war. Glanz und Pathos prägten das Deutsche Kaiserreich bis zu seinem Untergang am Ende des Ersten Weltkriegs.

Im Mittelpunkt dieser Heldenerzählungen standen die Krieger, die tapfer, mutig und froh in den Kampf hinauszogen und siegreich heimkehrten. Dieser Krieg war aber nicht allein der Krieg der Tapferen, es war ein Krieg der industrialisierten Waffengewalt und Vorbote „moderner“ Kriege.

Neun Mündener Männer ließen ihr Leben: Leutnant Adolf Wissmann, der Kanonier Lobenstein, Hauptmann Walden, Hauptmann Blumenhagen, Vicefeldwebel Mentzer, Kanonier Knüppel, Unteroffizier Carl Isenberg, Musketier H. Vieth und Hauptmann B. Walden. Zahlreiche Verwundete kehrten wieder zurück oder erkrankten an Typhus, Cholera und anderen Seuchen. Auch in Münden blieb man nicht verschont. Ab Mai 1871 grassierte eine „Blattern-Epidemie“, also die Pocken. Bis zum 21. Juni erkrankten 47 Personen, 18 galten als genesen, 13 starben und 16 blieben noch in ärztlicher Behandlung. Bis in das Jahr 1872 wurden die Erkrankten in einem Hause in Altmünden von dem Rest der Bevölkerung isoliert.

Mit der Gründung eines Denkmal-Komitees im Februar 1872 entbrannte ein Streit. Münden verfügte über kein Krankenhaus. So formulierten „einige Bürger“, dass ein Krankenhaus notwendiger sei, als ein Kunst-Denkmal aus Stein. „Mancher kranke Invalide, der fast vor Hunger und Kälte verkommen, … würde für hier gefundene Pflege den Stiftern von Herzen danken!“

Der Bau eines Krankenhauses am Vogelsang sollte bis in das Jahr 1878 auf sich warten lassen. Ein Kriegerverein formierte sich im Oktober 1872.

„56 Krieger seien bereits für die Gründung eines Vereins zusammengetreten.“ Das Denkmal-Komitee sammelte indes stattliche Geldbeträge. Der in Münden aufgewachsene Künstler Gustav Eberlein erhielt den Zuschlag zur Schaffung des Denkmals „Mundenia“, das neben der weiblichen Figur am Sockel auch vier Ehrentafeln trug. Die feierliche Enthüllung erfolgte am „Sedan Tag“ dem 2. September 1873, der die Rolle des Staatsfeiertages einnehmen sollte. Innerer Frieden kehrte hingegen in der Stadt nicht ein. Mitglieder des Kriegervereins schrieben in den Mündenschen Nachrichten vom 9. Oktober 1873, dass sie in einem Organ der Sozialdemokraten als „Massenmörder“, „Sauhirten“, und „Raufbolde“ tituliert wurden und erklärten diese postwendend als „Auswurf unserer Gesellschaft“.

„Mundenia“ stand bis 1955 auf einen Sockel an der Bahnhofstraße in den Wallanlagen, wo heute die Litfaßsäule zu finden ist. Nur als Zinkguss ausgeführt, ging die Figur 1962 an einen Schrotthändler. Die vier Zinkgusstafeln überdauern im Städtischen Museum.

MündenerAllgemeine vom 29.08.2020, Seite 2

 

Mündener Allgemeine vom 27.07.2020, Seite 3

 

                                        von Jens Döll

HNA 06.06.2019

HNA vom 08.03.2018

HNA vom 24.02.2018

HNA

Portal von Eberleins Weserkastells entdeckt
2017_08_28 HNA Eberleins Portal entdec[...]
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Lokalo 24 vom 21.08.2017

 

Eberlein-Ausstellung im Welfenschloss eröffnet - Lokalo24 19.07.2017
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Eberlein erlebbar machen - HNA 18.07,2017
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Turm der Tillyschanze - Göttinger Tageblatt 13.07.2017
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HNA vom 23. Mai 2017

 

HNA vom 11. Mai 2017

HNA vom 09.01.2017: Sonderschau ehrt großen Sohn der Stadt, Seite 1
2017_01_09 Sonderschau Seite 1.pdf
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HNA vom 09.01.2017: Sonderschau ehrt großen Sohn der Stadt, Seite 2
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