Mündener Allgemeine vom 11.11.2022

 

Falstaff, wie er leibt und lebt

 

SCHÄTZE IM MUSEUM - Beeindruckende Büste von De Souza

Von Bettina Wienecke
 

Ausdrucksstarke Darstellung: Gustav Eberlein schuf die Büste des portugiesischen Kammersängers De Souza

in der Rolle des Falstaff im Jahr 1896. Fotos: Bettina Wienecke

 

Hann. Münden – „Eberlein-Ausstellungen sind immer Besucher-Magneten“, berichtet Gudrun Richau vom Museumsteam des Städtischen Museums im Welfenschloss auf Nachfrage. In der Zeit der Sonderausstellung vom 7. August bis zum 31. Oktober kamen allein 573 Besucher gezielt zu der Ausstellung „Von Münden in die Welt!“, die anlässlich des 175. Geburtstages des Bildhauers, Malers und Poeten Gustav Heinrich Eberlein stattgefunden hat.

Zu den Werken von Gustav Eberlein, die Besucher besonders in ihren Bann ziehen, gehört die Büste des Kammersängers De Souza in der Rolle des Falstaff. Erhard Joseph aus Adelebsen hat sie vor einigen Jahren aufwendig restauriert. „Seit nunmehr fast 40 Jahren steht uns der Bildhauer und Eberlein-Restaurator Erhard Joseph zur Seite. Er hat die Figuren wieder zum Leben erweckt“, sagt Elgard Steinmüller, Geschäftsführerin der Gustav-Eberlein-Forschung.

„Ich habe damals unter anderem beide Ohren und beide Wangen wieder hergestellt“, berichtet Erhard Joseph. Bevor die Sonderausstellung begann, hat er nochmals Schäden behoben. Die Porträtbüste „De Souza als Falstaff“ entstand 1896. Durch die ansprechende Gestik, die halb geschlossenen Augen und den mächtigen Oberkörper wirkt der Bariton lebendig. Er trägt ein Renaissancekostüm mit spanischem Kragen und hält einen Ring in seiner linken Hand.

Am Sockel, unter De Souzas Namen, befindet sich das Pagenlied aus dem zweiten Akt in Noten und als Schrift.

Der portugiesische Kammersänger De Souza wurde in der Rolle des korrupten Ritters Falstaff in der Berliner Oper gefeiert. Giuseppe Verdi (1813-1901), der 80-jährig mit seiner 28. Oper nochmals Musikgeschichte schrieb, betrachtete Falstaff eher wohlwollend: „Ein lustiges Original eines zeitlosen Schurken“. Die Figur des Sir John Falstaff taucht erstmals in William Shakespeares Stücken „Heinrich IV.“ und „Die lustigen Weiber von Windsor“ auf. Arrigo Boito schuf Falstaff als lyrische Komödie nach den lustigen Weibern und fragte bei dem Komponisten Verdi an. Dieser zögerte zunächst aus Altersgründen, komponierte aber im Geheimen als Zeitvertreib und fand Gefallen an der Komischen Oper, die dann 1893 in Mailand uraufgeführt wurde. Wie berichtet, ist das Städtische Museum am Schlossplatz 5 in diesem Jahr bereits in die Winterpause gegangen. Anfang April 2023 soll es wieder öffnen.

Mündener Allgemeine vom 02.11.2022

 

 

„Er war ein Schwergewicht“

 

Sonderausstellung zu Künstler Gustav Eberlein beendet

Von Bettina Wienecke
 

Das Ausstellungs-Team: Unser Bild zeigt (von links) Johann-Georg Münder (Schatzmeister der Gustav-Eberlein-Forschung), Ute Sellmer (Zweite Vorsitzende), Martin Henze (Kunsthistoriker), Erhard Joseph (Restaurator), Elgard Steinmüller (Geschäftsführerin), Stefan Schäfer (Stadtarchivar), Rosemarie Münder (Erste Vorsitzende) und Martina Krug (Museumsleiterin). Foto: bettina wienecke

 

Hann. Münden – Am Sonntag ging sie zu Ende, die Ausstellung „Von Münden in die Welt!“, die anlässlich des 175. Geburtstages des Bildhauers, Malers und Poeten Gustav Eberlein stattfand. Wie berichtet, geht das Städtische Museum ab 1. November in eine frühzeitige Winterpause.

Bei der Finissage im Rittersaal im Welfenschloss wurde ein Doppel-Geburtstag gefeiert: Es galt auch, das 40-jährige Bestehen des Vereins Gustav-Eberlein-Forschung zu würdigen. „Ich kann mich gar nicht genug bedanken“, sagte die Leiterin des Städtischen Museums, Martina Krug. „Ich möchte die tolle Zusammenarbeit gern weiterführen.“

Stadtarchivar Stefan Schäfer konnte selbst erfahrene Eberlein-Experten bei seinem abwechslungsreich bebilderten Vortrag „Eine Stadt im Aufbruch - Die Entwicklung Mündens zu Lebzeiten von Gustav Heinrich Eberlein (1847-1926)“ mit Neuigkeiten überraschen.

Eberleins verwitweter Vater hatte als Steueraufseher eine Schmugglerin aufgegriffen, erfuhren die zahlreich erschienenen Besucher. Die 26-Jährige wurde seine zweite Frau, sie ist die Mutter von Gustav Eberlein. Aus dem 150-Seelen-Dorf Spiekershausen zog die Familie nach Hann. Münden, das für Eberlein zur Heimat wurde.

Als 23-Jähriger ging er nach dem Besuch der Kunstschule in Nürnberg nach Berlin, das damals 800 000 Einwohner hatte. „Er wurde zum Popstar eines sich entwickelnden Kulturbetriebes“, berichtet der Stadtarchivar, der auch die Bedeutung des Künstlers für Hann. Münden beleuchtete.

Gemeinsam mit dem 2007 verstorbenen Heimatforscher Günther Kaerger gehört Prof. Rolf Grimm zu den Gründern der Gustav-Eberlein-Forschung. Sie dient seit 1982 der Erforschung, Wiederbelebung, Bewahrung und Verbreitung seines Werkes. „Rolf Grimm wäre sehr gerne hier“, sagte Stefan Schäfer. Der Eberlein-Experte und langjährige Erste Vorsitzende der Eberlein-Forschung hat mit seinem Sohn Dr. Rudo Grimm 2020 ein neues Werkverzeichnis herausgebracht. Bei der Tombola ging es als erster Preis an die Besucherin Ulla Gotthardt, die sich sehr freute. „Eberlein war ein Schwergewicht in der Kunst und Kultur“, sagte sie, als sie den wunderbaren, reich bebilderten und recht schweren Band in den Händen hielt.

Für den musikalischen Rahmen mit Werken von Johannes Brahms bis George Gershwin sorgten Claudia Rinaldi und ihr Ehemann Volodia Mykytka (Flügel und Viola). Ihr elfjähriger Sohn Raffael Mykytka spielte mit seiner Mutter „Die Moldau“ von Smetana vierhändig am Flügel. Elgard Steinmüller, Geschäftsführerin der Gustav-Eberlein-Forschung, warb um Spenden und neue Mitglieder.

„Die Depots, in denen Eberleins Werke gelagert werden, sind als unzureichend zu betrachten“, sagte sie. Ferner sollen weitere Werke und Gips-Originale wieder hergestellt und restauriert werden.  

 

Mündener Allgemeine vom 21.10.2022

 

 

Riekchen Niedlich in Münden SCHÄTZE IM MUSEUM Lesung aus einem Gedichtband

 

Von Bettina Wienecke

 

Prosa im Museum: Gisela Kaerger-Thiemann (von links) wurde bei ihrer Lesung aus Eberleins Band „Riekchen Niedlichs Besuch in Münden“ unter anderem von Dominik (12), Noemi (10) und Helena Steinmüller (12) unterstützt. Foto: Bettina Wienecke

 

Hann. Münden – Wer sie noch besuchen möchte, muss sich beeilen: Die Sonderausstellung „Von Münden in die Welt!“ zum 175. Geburtstag des Bildhauers, Malers und Poeten Gustav Heinrich Eberlein (1847-1926) im Städtischen Museum im Welfenschloss in Hann. Münden zeigt den Künstler in seiner ganzen Schaffenskraft. Nach der letzten Öffnung am Sonntag, 30. Oktober, mit einer Finissage und der Feier des 40-jährigen Bestehens des veranstaltenden Vereins Gustav-Eberlein-Forschung geht das Museum bis Anfang April 2023 in eine vorgezogene Winterpause.

Die Prosa-Lesung von Gisela Kaerger-Thiemann, die mit ihrer Familie über ihren verstorbenen Vater Günther Kaerger eng mit der Eberlein-Forschung verbunden ist, kam sehr gut an. Im großen Römersaal des Museums fanden die Besucher Platz, um Auszügen aus Eberleins Dichtung „Riekchen Niedlichs Besuch in Münden“ zu lauschen.

Neben Rosemarie Münder (geborene Kaerger), der Ersten Vorsitzenden, ihrem Ehemann Johann-Georg Münder und der zweiten Vorsitzenden Ute Sellmer, gestalteten Dominik (12), Noemi (10) und Helena Steinmüller (12) die Lesung mit. Elgard Steinmüller, die Geschäftsführerin der Eberlein-Forschung, hatte drei ihrer Enkelkinder dafür gewinnen können. „Obwohl es 150 Jahre her ist, ist es doch relativ aktuell“, berichtet Dominik. Auch seine beiden Cousinen haben für die Lesung fleißig geübt.

In Kalau (heute: Calau), Heimat der Bezeichnung „Kalauer“ für lustige Wortspiele, ist das Riekchen aufgewachsen, ihre Mutter „übersät mit falschen Locken strickte fleißig der Verwandtschaft Socken“, reimt Gustav Eberlein, der seinen Band liebevoll mit Zeichnungen versehen hat. Rieckchen steht der Sinn nach einem Trompeter. Den lernt sie auch kennen und lieben, als sie ihren Onkel Pelle und seine Familie in Münden besucht.

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