Mündener Allgemeine vom 05.08.2022, Seite 3

 

Eberleins Wirken in der Welt

 

Werkschau des Mündener Künstlers öffnet am Sonntag

Hann. Münden – „Von Münden in die Welt“ ist der Titel einer Werksschau zum berühmten Maler, Poet und Bildhauer Gustav Heinrich Eberlein (1847-1926), der in Spiekershausen in der heutigen Gemeinde Staufenberg geboren wurde und lange Zeit in der Dreiflüssestadt wirkte.

 

Am Sonntag, 7. August, ab 16 Uhr findet im städtischen Museum im Welfenschloss die Eröffnungszeremonie mit Grußworten und Vorträgen statt. Bis zum 30. Oktober findet dann die Sonderausstellung statt. Gegliedert ist sie in drei Bereiche, die in drei Räumen dargestellt werden.

 

„Münden ist natürlich einer der Schauplätze“, berichtet Rosemarie Münder, erste Vorsitzende des 1982 gegründeten Vereins für die Gustav-Eberlein-Forschung. Zu sehen sind Gipsabdrücke und Bilder von Werken Eberleins, zudem zahlreiche Ausstellungsstellungsstücke. So beispielsweise die restaurierte Büste von Kaiser Wilhelm II. und daneben von seiner Gattin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg.

 

In zweiten Raum geht es um Eberleins Wirken im restlichen damaligen Deutschen Reich und in der ganzen Welt. Stationen in den USA, Bulgarien, Kuba, Argentinien und Chile werden beschrieben, ausgestellt ist zum Beispiel der Gipsabdruck eines Reliefs, das an einer Unabhänigkeitsstatue in Argentien angebracht ist. Zudem steht dort die Büste des portugiesischen Opernsängers De Souza, der in Berlin einer Berühmtheit war.

 

Der dritte Raum behandelt Eberleins Vermächtnis. Sein Werk wurde vergessen und erst in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts wiederentdeckt. Gipssplitter seiner Vorlagen wurden in der Deckenkonstruktion des Welfenschlosses als Füllmaterial verwendet. Das erste wiederentdeckte Werk von Eberlein war am 26. November 1982 das Relief „Stille Nacht“, das auch in der Sonderausstellung zu sehen sein wird.

 

Die Sonderausstellung in den drei Räumen fügt sich in die Dauerausstellung über Gustav Eberlein ein, die 2017 aufgebaut wurde. Sie gibt einen Überblick über das Lebenswerk des Künstlers. Die Sonderausstellung „Von Münden in die Welt“ wurde von sieben Eberlein-Interessierten auf die Beine gestellt. Darunter Restaurator Erhard Joseph, Kunsthistoriker Martin Henze und Stadtarchivar Stefan Schäfer. Der Aufbau der Schau war von Hindernissen geprägt.

 

„Die Werke aus Gips sind extrem empfindlich“, berichtet Museumsleiterin Martina Krug. Zudem streikte der Aufzug im Welfenschloss, der Transport der schweren Statuen mit reiner Muskelkraft in den dritten Stock des Schlosses war nicht möglich. „Wir fürchteten schon, dass wir die Ausstellung um ein Jahr verschieben müssen“, berichtet Elgard Steinmüller, Geschäftsführerin der Eberlein-Forschung. Die Eröffnung war ursprünglich für den 10. Juli geplant. Mithilfe eines alten Relais konnte der Fahrstuhl wieder repariert werden.

 

„Wir konnten das Rahmenprogramm verschieben und neue Termine ausmachen“, berichtet Rosemarie Münder. Sorge habe man aber vor dem Winter und einer neuen Coronawelle. „Wir wollten mit der Ausstellung nicht in den Winter.“

 

Zahlreiche Werke von Eberlein sind auch im öffentlichen Raum sichtbar. Berühmte Beispiele sind der Gottvater an den Mündener Wallanlagen unweit des Bahnhofs und das Relief „Belagerung der Stadt durch Tilly“ an der Tillyschanze. Auch in Kirchen sind Kreuze von ihm zu sehen, wie in Nienhagen und Spiekershausen.

 

Mündener Allgemeine vom 11.02.2022, Seite 5
 

Vom Schlachter zum Chronisten

 

SCHÄTZE IM MUSEUM - Eberleins Büste von Wilhelm Lotze wurde restauriert


Eberleins Büste von Wilhelm Lotze scheint ihrem Restaurator Erhard Joseph beim Aufstellen etwas ins Ohr zu „flüstern“. Die Gipsbüste, die Wilhelm Lotze zeigt, schuf Gustav Eberlein im Jahr 1901. Fotos: Elgard Steinmüller/Eberlein-Archiv/, Repros: Bettina Wienecke

 

Hann. Münden – Elgard Steinmüller hat genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Auslöser gedrückt: Es scheint fast so, als würde die Büste von Wilhelm Lotze ihrem Restaurator Erhard Joseph beim Aufstellen nach dem Transport ins Museum etwas ins Ohr flüstern.

„Vielleicht bedankt er sich ja für die Reparatur“, scherzt die Geschäftsführerin des Vereins Gustav-Eberlein-Forschung. „Im Sommer hat Erhard Joseph die Restaurierung der Büste vorgenommen. Von ihm wurde auch ein neues Podest angefertigt und die Büste unsichtbar und stabil befestigt“, berichtet Elgard Steinmüller. Der Künstler und Restaurator aus Adelebsen lieferte das Kunstwerk mit seiner Frau an. Es steht nun in der Eberlein-Abteilung im Städtischen Museum im Welfenschloss.

„Die Kosten für die Restaurierung am Sockel und das neue Podest hat das Museum übernommen“, erläutert Elgard Steinmüller. Im Rahmen der Ausstellung anlässlich des 175. Geburtstags des Künstlers Gustav Eberlein, die für den Zeitraum vom 10. Juli bis 3. Oktober 2022 geplant ist, soll die Büste gezeigt werden.

Georg August Wilhelm Lotze (1800-879) war Schreiber der Stadtgeschichte Mündens. Er wurde als Sohn einer alteingesessenen Schlachterfamilie geboren und erlernte daher das Schlachterhandwerk. In seiner Freizeit machte sich der Gastwirt um die Erforschung der Stadtgeschichte verdient. Als Bürgervorsteher und Kirchenvorsteher von St. Blasius schrieb er die Geschichte der Kirche auf und verfasste, zunächst unter dem Pseudonym Hermann Liederring, Gedichte, die in der lokalen Presse erschienen.

Das bedeutendste Werk von ihm, die Chronik „Die Geschichte der Stadt Münden“ aus dem Jahre 1878, ist nach wie vor ein wichtiges Quellenwerk der Stadtgeschichte. Die Büste stand zuvor vor den Räumen des Stadtarchivs im Welfenschloss und in der oberen Rathaushalle. Sie war auf einem höheren Podest mit Eisenklammern befestigt. Wegen des Umbaus des Rathauses brachte man sie im Museumsdepot ohne Podest unter. Der Sockel der Büste erlitt beim Herunternehmen durch die Eisenklammern zwangsläufig einige Beschädigungen. Der Bildhauer Gustav Eberlein (1847-1926) schuf die Gips-Skulptur des Heimatkundeforschers für das Museum, allerdings erst 1901 – 22 Jahre nach Wilhelm Lotzes Tod. Dessen Tochter Minna Happe erteilte ihm damals den Auftrag. Die 46 Zentimeter hohe Büste begrüßt geschichtsinteressierte Besucher mit schlichter Kappe, buschigen Augenbrauen, markantem Kinn und wachem Blick.

Das Städtische Museum im Welfenschloss, Schlossplatz 5, in Hann. Münden, Tel. 0 55 41/7 52 02 und 7 53 48, befindet sich bis April 2022 in der Winterpause (Infos unter: hann.muenden.de).

Die Sonderausstellung „Gustav H. Eberlein – ein Künstler zwischen Münden und Metropolen“ ist geplant für den Zeitraum 10. Juli bis 3. Oktober 2022.

Mündener Allgemeine vom 21.01.2022, Seite 3

 

Große Eberlein-Schau geplant

 

SCHÄTZE IM MUSEUM - Sonderausstellung zum 175. Geburtstag


Wartet auf Restaurierung: Das Gips-Original des Eberlein-Werks „Engel heben den Stein vom Grabe Christi“ im Städtischen Museum im Welfenschloss.

 

Hann. Münden – Zum 175. Geburtstag des Bildhauers, Malers und Poeten Gustav Heinrich Eberlein (1847-1926) plant der Verein Gustav-Eberlein-Forschung eine Ausstellung im Städtischen Museum im Welfenschloss. „Derzeit schauen wir in den Depots nach Werken, die bisher nicht gezeigt wurden“, sagt die Vorsitzende Rosemarie Münder auf Nachfrage.

„Darüber hinaus möchten wir drei spannende private Leihgaben präsentieren“, verrät sie. Elgard Steinmüller, Geschäftsführerin des Vereins Gustav-Eberlein-Forschung, weist auch auf die Dauerausstellung hin, die im Museum zu sehen ist. Sie wird seit einiger Zeit um ein Gipsmodell ergänzt, das auf Spenden für seine Restaurierung wartet.

Das Werk „Engel heben den Stein vom Grabe Christi“ hat die Maße 104x78x60 Zentimeter. Das Gipsoriginal wurde im Jahr 1900 auf der Großen Berliner Kunstausstellung zusammen mit 23 weiteren Arbeiten von Eberlein in einer Sonderausstellung gezeigt. Das Werk aus seinem christlichem Zyklus gehört zu den zwischen 1983 und 1993 noch nicht zu Ende restaurierten Gipsoriginalen.

Die Figurengruppe besteht aus dickwandigem Hohlgips, die Figuren aus Vollgips. Die dunkel getönten Bruchstücke wurden von dem Bildhauer Bernd Eger mit Hilfestellung von Rolf Grimm zusammengesetzt und ergänzt. Prof. Rolf Grimm widmet sich seit 1980 der Erforschung, Wiederbelebung und Bewahrung des Werkes des Künstlers Eberlein. 1982 gründete er mit dem 2007 verstorbenen Günther Kaerger und weiteren Mitgliedern die Gustav-Eberlein-Forschung. Erhard Joseph aus Adelebsen, Künstler und Restaurator, hat bereits zahlreiche Arbeiten von Eberlein fachmännisch wiederhergerichtet. „Das Werk wurde damals zur Stabilisierung zusammengebaut“, berichtet er.

Für die Restaurierung müssen die Gipsergänzungen und Klebenähte zurückgeschnitten werden. „Ziel ist es, Originalteile nicht mit Gips zu überziehen. Die Oberflächen müssen zusammenfinden.“ Auch die innen liegenden Eisen, die alles stabilisieren, müssen geprüft werden. Fehlendes gilt es zu ergänzen: Teile der Augenbrauen, Nasen und Münder sowie das Ohr einer Engelsfigur sind nicht mehr vorhanden. Große Stellen fehlen an Schultern, Armen den Oberkörpern und den Beinen. Auch Teile der Hände müssen neu modelliert werden. „Ein Flügel fehlt, ein anderer muss neu angesetzt werden“, erläutert Erhard Joseph.

Das Städtische Museum im Welfenschloss, Schlossplatz 5, in Hann. Münden, Tel. 05541/75 202 und 75 348, befindet sich bis April 2022 in der Winterpause Die Sonderausstellung „Gustav H. Eberlein – ein Künstler zwischen Münden und Metropolen“ ist geplant für den Zeitraum 10. Juli bis 3. Oktober 2022. Infos und Spendenkonto unter: gustav-eberlein.org.
 

Mündener Allgemeine vom 7.05.2021, Seite 4

 

Viele Werke wurden zerstört

 

Eberlein arbeitete im Jahre 1904 das Werk „Gottvater haucht Adam den Odem ein“ als über drei Meter hohe, überlebensgroße Variante in seinem Atelier in Rom aus. Dafür verwendete er den besten Marmor, der bis heute in den Steinbrüchen von Carrara in der Toskana abgebaut wird.

Die erste große Reise machte die Plastik von Rom aus in das Eberleinsche Atelier am Lützowufer in Berlin. In diesem Schauatelier waren zeitweise noch deutlich größere Werke ausgestellt. Die Vergänglichkeit künstlerischen Ruhms erfuhr Eberlein in Etappen mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der umfassenden künstlerischen Neuorientierung in den Weimarer Jahren. So sind die Verkaufsangebote vor allem als Hilferuf eines in Not geratenen Künstlers zu sehen, der seiner Heimatstadt die „Seele seiner Werke“ geschenkt hatte.

Im Jahre 1898 war er der Mitbegründer des „Alterthümer- und Eberleinmuseums“ im Schloss. Eberlein war unlängst zu einer der Hauptgestalten der deutschen Bildhauerei gewachsen. Einen bedeutsamen Teil seiner Gipsentwürfe stiftete er dem Museum. Dabei war das Gipsoriginal der Gottvater-Adam-Gruppe, die lebensgroß 1897 gestaltet wurde. Das Schicksal vieler anderer Originale teilt auch diese Plastik, sie wurden zerschlagen und entsorgt.

Umso wirkungsmächtiger kündet sie am Schlesierplatz fast ein Jahrhundert nach ihrer Aufstellung von höchster Schaffenskunst und vom Kunstsinn zweier Fabrikanten, die dieses Werk für die Stadt und damit für uns sicherten.

 

 

Ein Gigant geht auf Reisen

 

MÜNDENER - ANSICHTEN - Marmorskulptur kam nach Münden

 

Eine Ansichtskarte von etwa 1930 zeigt die Villa, üppige Parkbäume und als Mittelpunkt Eberleins Großplastik. repro: stefan schäfer/Stadtarchiv

 

Hann. Münden – 1927 entspann sich eine interessante kulturpolitische Debatte in Münden. Gustav Eberlein hatte die Stadt, deren Ehrenbürger er geworden war, 1925 um den Ankauf einiger Kunstwerke gebeten. Die Stadt lehnte dies vor dem Hintergrund fehlender finanzieller Mittel ab. 1926 war Eberlein in Berlin verstorben. Nun war es ein Jahr später Emma Bernardi, Eberleins Adoptivtochter und Erbin, die die Stadt erneut um den Ankauf einiger Werke bat.

Sie lebte zu dem Zeitpunkt noch in Berlin, war mit der Auflösung des Nachlasses im Berliner Atelier befasst. Längst plante sie ihre Übersiedlung nach Hann. Münden, um die „Eberburg“, das vormalige Sommeratelier Eberleins, zu einer Kaffee-Schankwirtschaft auf einem der „schönsten Balkone“ über Münden umzugestalten.

Eine städtische Delegation reiste nach Berlin. Sie kamen mit dem Angebot zurück, die Monumentalplastik „Gottvater haucht Adam den Odem ein“ für insgesamt 6 500 Mark zu kaufen. Davon entfielen allein 2 200 Mark auf die Transportkosten. Hinzu addierte man noch 700 Mark für das Fundament und die Platzgestaltung. Schnell fand man einen Idealstandort, den Hindenburgplatz, heute Schlesierplatz auf dem Gelände des Düringschen Garten.

Wilhelm von Düring war Landrat des Kreises Münden und bis 1907 Eigentümer der Villa Baurmeister, die anschließend von der Stadt erworben wurde. Das Gelände sollte nun zu einer öffentlichen Grünanlage umgestaltet werden.

Der Magistrat, das engere Führungsgremium um Bürgermeister Dr. Haarmann, sprach sich für den Ankauf aus. Im Bürgervorsteherkollegium, vergleichbar dem heutigen Rat, fand der Ankauf auch in der zweiten Beratung am 28. Juni 1927 keine Mehrheit. Mit den Stimmen der Mittelstandsfraktion und der Rechten wurde der Ankauf mit elf zu sieben Stimmen abgelehnt. Eine rege, teils aggressive Grundstimmung war in der Auseinandersetzung zu betrachten. Vor allem die SPD-Befürworter wunderten sich, dass die einst kaiser- und heimatreuen Bürgervorsteher den Ankauf ablehnten.

Binnen weniger Tage wendete sich das Blatt, die Gebrüder Carl und Heinrich Fischer, Fabrikanten der Kautabakfabrik Fischer & Herwig waren bereit, die Marmorskulptur der Stadt zu stiften. In der Sitzung am 2. Juli 1927 nahm die Stadt die Stiftung mit einer Gegenstimme an. Sie stammte vom Kommunisten Wilhelm Schumann, der in dem Werk einen gewissen religiösen Fanatismus erkannte.

Wie schnell es weitergehen konnte, bestätigt eine Zeitungsmitteilung im Mündener Tageblatt vom 27. Juli 1927: „Vorige Woche wurde der Koloss auf den Sockel an seinem jetzigen Standort gehievt!“

Er wird wahrscheinlich auf einem Flachwagen der Eisenbahn, in einer Transportkiste liegend den Mündener Bahnhof erreicht haben, in dessen Nähe er noch heute zu sehen ist.

 

Mündener Allgemeine vom 5.03.2021, Seite 3

 

Elend statt Glanz

 

MÜNDENER ANSICHTEN - Kriegsmythen im deutschen Kaiserreich

 

Mundenia auf einer Lithographie von Robert Geissler. Stadtchronist Wilhelm Lotze bezifferte die Aufwendungen mit 1393 Taler von denen 1226 Taler gespendet wurden.

repro: stefan schäfer/Stadtarchiv Hann. Münden

 

Hann. Münden – Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg und am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Reich gegründet. An der Spitze stand mit Kaiser Wilhelm I der preußische König. Der Bund deutscher Fürsten führte in Frankreich zur Gründung des zweiten Deutschen Kaiserreichs. Kein durch die 1848er Revolution geschaffener Nationalstaat, sondern in Einigungskriegen der Jahre 1864 bis 1871 „durch Blut und Eisen zusammengeschmiedetes Staatsgebilde“ unter der Vorherrschaft Preußens. Folge zahlreicher Schachzüge des späteren Reichkanzlers Bismarck, der die Politik des Landes bis zum Jahre 1890 maßgeblich prägen sollte.

Die Bedrohung durch den Erzfeind Frankreich und der schnelle Sieg, die deutsche Einigung, das alles wurde zu einem Erzählstoff, einem nationalen Mythos, der in jede Stadt, jedes Dorf getragen und in jedem Schulbuch eindrucksvoll zu lesen war. Glanz und Pathos prägten das Deutsche Kaiserreich bis zu seinem Untergang am Ende des Ersten Weltkriegs.

Im Mittelpunkt dieser Heldenerzählungen standen die Krieger, die tapfer, mutig und froh in den Kampf hinauszogen und siegreich heimkehrten. Dieser Krieg war aber nicht allein der Krieg der Tapferen, es war ein Krieg der industrialisierten Waffengewalt und Vorbote „moderner“ Kriege.

Neun Mündener Männer ließen ihr Leben: Leutnant Adolf Wissmann, der Kanonier Lobenstein, Hauptmann Walden, Hauptmann Blumenhagen, Vicefeldwebel Mentzer, Kanonier Knüppel, Unteroffizier Carl Isenberg, Musketier H. Vieth und Hauptmann B. Walden. Zahlreiche Verwundete kehrten wieder zurück oder erkrankten an Typhus, Cholera und anderen Seuchen. Auch in Münden blieb man nicht verschont. Ab Mai 1871 grassierte eine „Blattern-Epidemie“, also die Pocken. Bis zum 21. Juni erkrankten 47 Personen, 18 galten als genesen, 13 starben und 16 blieben noch in ärztlicher Behandlung. Bis in das Jahr 1872 wurden die Erkrankten in einem Hause in Altmünden von dem Rest der Bevölkerung isoliert.

Mit der Gründung eines Denkmal-Komitees im Februar 1872 entbrannte ein Streit. Münden verfügte über kein Krankenhaus. So formulierten „einige Bürger“, dass ein Krankenhaus notwendiger sei, als ein Kunst-Denkmal aus Stein. „Mancher kranke Invalide, der fast vor Hunger und Kälte verkommen, … würde für hier gefundene Pflege den Stiftern von Herzen danken!“

Der Bau eines Krankenhauses am Vogelsang sollte bis in das Jahr 1878 auf sich warten lassen. Ein Kriegerverein formierte sich im Oktober 1872.

„56 Krieger seien bereits für die Gründung eines Vereins zusammengetreten.“ Das Denkmal-Komitee sammelte indes stattliche Geldbeträge. Der in Münden aufgewachsene Künstler Gustav Eberlein erhielt den Zuschlag zur Schaffung des Denkmals „Mundenia“, das neben der weiblichen Figur am Sockel auch vier Ehrentafeln trug. Die feierliche Enthüllung erfolgte am „Sedan Tag“ dem 2. September 1873, der die Rolle des Staatsfeiertages einnehmen sollte. Innerer Frieden kehrte hingegen in der Stadt nicht ein. Mitglieder des Kriegervereins schrieben in den Mündenschen Nachrichten vom 9. Oktober 1873, dass sie in einem Organ der Sozialdemokraten als „Massenmörder“, „Sauhirten“, und „Raufbolde“ tituliert wurden und erklärten diese postwendend als „Auswurf unserer Gesellschaft“.

„Mundenia“ stand bis 1955 auf einen Sockel an der Bahnhofstraße in den Wallanlagen, wo heute die Litfaßsäule zu finden ist. Nur als Zinkguss ausgeführt, ging die Figur 1962 an einen Schrotthändler. Die vier Zinkgusstafeln überdauern im Städtischen Museum.

MündenerAllgemeine vom 29.08.2020, Seite 2

 

Mündener Allgemeine vom 27.07.2020, Seite 3

 

                                        von Jens Döll

HNA 06.06.2019

HNA vom 08.03.2018

HNA vom 24.02.2018

HNA

Portal von Eberleins Weserkastells entdeckt
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Lokalo 24 vom 21.08.2017

 

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HNA vom 23. Mai 2017

 

HNA vom 11. Mai 2017

HNA vom 09.01.2017: Sonderschau ehrt großen Sohn der Stadt, Seite 1
2017_01_09 Sonderschau Seite 1.pdf
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HNA vom 09.01.2017: Sonderschau ehrt großen Sohn der Stadt, Seite 2
2017_01_09 Seite 2.pdf
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